Wer in Deutschland gründet, muss sich zuerst für eine Rechtsform entscheiden — und diese Wahl bestimmt Haftung, Steuern, Startkapital und den bürokratischen Aufwand für Jahre. Dieser Überblick erklärt alle wichtigen deutschen Gesellschaftsformen, jeweils mit dem passenden US-Äquivalent für internationale Gründer.
Die Rechtsformen im Schnellvergleich
| Rechtsform | Mindestkapital | Haftung | Vergleichbar mit (USA) | |---|---|---|---| | GmbH | €25.000 | beschränkt | LLC | | UG (haftungsbeschränkt) | €1 | beschränkt | LLC (Startup) | | AG | €50.000 | beschränkt | Corporation | | Einzelunternehmen | keins | unbeschränkt | Sole Proprietorship | | GbR | keins | unbeschränkt | General Partnership | | OHG | keins | unbeschränkt | General Partnership | | KG | keins | gemischt | Limited Partnership | | gGmbH | €25.000 | beschränkt | Nonprofit Corporation | | PartnG | keins | teilbeschränkt | Professional LLP |
GmbH — der Standard für den Mittelstand
Die Gesellschaft mit beschränkter Haftung ist die beliebteste Kapitalgesellschaft in Deutschland. Sie schützt dein Privatvermögen, wirkt professionell gegenüber Kunden und Banken und bleibt dabei flexibel in der Führung.
- Kapital: mindestens €25.000, davon €12.500 bei Gründung einzuzahlen
- Führung: ein oder mehrere Geschäftsführer, Aufsichtsrat optional
- Pflichten: notarielle Gründung, Handelsregistereintrag, Bilanzierung
Alle Details findest du in unserem GmbH-Gründungsguide.
UG (haftungsbeschränkt) — die Mini-GmbH
Die Unternehmergesellschaft wurde 2008 eingeführt, um Gründern mit wenig Kapital den Zugang zur Haftungsbeschränkung zu geben. Startkapital: ab €1.
Der Haken: 25 % des Jahresgewinns müssen als Rücklage einbehalten werden, bis genug Kapital für die Umwandlung in eine GmbH angespart ist. Für Startups mit kleinem Budget ist die UG trotzdem meist der beste Einstieg — mehr dazu im UG-Guide.
AG — für Großunternehmen und Kapitalmarkt
Die Aktiengesellschaft ist die Rechtsform für Unternehmen, die Kapital über Aktien einsammeln wollen — an der Börse oder privat.
- Kapital: mindestens €50.000
- Führung: zweistufig mit Vorstand und Aufsichtsrat
- Pflichten: strenge Publizitäts- und Prüfungspflichten
Für die meisten Gründer ist die AG überdimensioniert. Sie lohnt sich, wenn Börsengang, viele Investoren oder Nachfolgeplanung über Aktien geplant sind. Details im AG-Guide.
Einzelunternehmen — der schnellste Start
Die einfachste Form der Selbstständigkeit: keine Gründungskosten, keine Formalitäten außer der Gewerbeanmeldung (bzw. Anmeldung beim Finanzamt für Freiberufler). Dafür haftest du unbeschränkt mit deinem Privatvermögen, und der Gewinn wird als persönliches Einkommen versteuert.
Kaufleute können sich als e.K. (eingetragener Kaufmann) ins Handelsregister eintragen lassen — das wirkt etablierter, ändert aber nichts an der Haftung.
Personengesellschaften: GbR, OHG, KG
GbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts): Zwei oder mehr Personen, gemeinsamer Zweck, keine Formalitäten. Alle Gesellschafter haften persönlich. Ideal für kleine Kooperationen und Nebenprojekte.
OHG (Offene Handelsgesellschaft): Die kaufmännische Variante der GbR mit Handelsregistereintrag. Ebenfalls unbeschränkte Haftung aller Gesellschafter.
KG (Kommanditgesellschaft): Kombiniert einen voll haftenden Komplementär mit beschränkt haftenden Kommanditisten. Beliebt bei Familienunternehmen — oft als GmbH & Co. KG, bei der eine GmbH die Rolle des Komplementärs übernimmt und damit die persönliche Haftung eliminiert.
Sonderformen: gGmbH und PartnG
gGmbH: Die gemeinnützige GmbH für wohltätige, wissenschaftliche oder kulturelle Zwecke. Steuerbegünstigt, aber an strenge Gemeinnützigkeitsregeln gebunden.
PartnG (Partnerschaftsgesellschaft): Für freie Berufe wie Anwälte, Ärzte und Steuerberater. Jeder Partner haftet nur für eigene Berufsfehler — nicht für die der Kollegen.
Niederlassungen ausländischer Unternehmen
Wer nicht neu gründen, sondern ein bestehendes Unternehmen nach Deutschland bringen will, hat drei Optionen:
- Selbstständige Zweigniederlassung: eigene Geschäftsführung und Buchhaltung, Handelsregistereintrag möglich
- Unselbstständige Betriebsstätte: begrenzte Aufgaben (Vertrieb, Service), nur Gewerbeanmeldung nötig
- Repräsentanz: reine Informationsstelle ohne kommerzielle Tätigkeit
Welche Rechtsform passt zu dir?
Drei Faustregeln:
- Solo, wenig Risiko: Einzelunternehmen oder Freiberufler-Status — schnell und kostenlos
- Haftung begrenzen, wenig Kapital: UG, später Umwandlung in GmbH
- Wachstum, Investoren, Seriosität: direkt GmbH
Für jede dieser Formen brauchst du eine Geschäftsadresse in Deutschland — die bekommst du bei Clevver komplett digital, inklusive Handelsregister-tauglicher Adresse in Berlin und weiteren Städten.
FAQ
Kann ich als Ausländer eine deutsche Gesellschaft gründen? Ja. Für GmbH und UG gibt es keine Nationalitäts- oder Wohnsitzbeschränkung für Gesellschafter. Details im Guide Gründen in Deutschland als Ausländer.
Kann eine UG später zur GmbH werden? Ja — sobald die Rücklagen das Stammkapital von €25.000 erreichen, ist die Umwandlung möglich (und üblich).
Welche Rechtsform zahlt am wenigsten Steuern? Das hängt vom Gewinn ab: Kapitalgesellschaften zahlen Körperschaft- und Gewerbesteuer (zusammen ~30 %), Personengesellschaften den persönlichen Einkommensteuersatz. Ab höheren Gewinnen ist die Kapitalgesellschaft meist günstiger — lass das konkret durchrechnen.
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